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  • drygalla1

In meinem AllinclusiveKnast fehlt es mir an nichts

Aktualisiert: 16. Okt. 2023



ICH oder WIR das ist hier die Frage In meinem AllinclusiveKnast fehlt es mir an nichts... Und dennoch. Es gräbt sich eine kollektive Stimmungstrübung in mich ein. Depressionsgeruch everywhere. Durchwabert auch ihn, meinen AllinclusiveKnast. Den wunderschönen und mit vielen BurnOutProphylaxeAktivitätsProjekten weiter aufgehübschten Knast. Eine Stimmungstrübung die meine SocialDistancingZelle durchwabert. Und die ich mit positivem Denken ins Positive drehen kann. Glaube ich jedenfalls. Glaubte ich ganz fest. Doch irgendwann begann ich zu zweifeln. Und versuche ich jetzt mich zu überzeugen. Das mit dem Überzeugen habe ich gelernt. So bin ich sozialisiert. Optimistisch. Nach vorn schauend. StehaufMännchen*Weibchen. Eine allseits gebildete, nein allseits entwickelte, Persönlichkeit ist das Ideal, mit dem ich aufgewachsen bin. Diese durchaus kritisch betrachtend. Und offen. Selbstkritisch. Bis zum Zerfleischen selbstkritisch. Das Streitende seltsam unterentwickelt bei der Allseitsentwicklung. Wenig Diskurs. Und neoliberal hat sich das zu einem ökonomisierten OptimusLächeln entwickelt. Optimismus versprühend und erzeugend. Weit entfernt von „Sag mir wo du stehst!"

Obwohl das auch nie wirklich zu leben war. Und nicht stimmte. Aufrichtigkeit geht nicht mit unterbelichtetem Diskurs. Und dahin möchte ich keinesfalls zurück. Aber wenigstens musste ich nicht dauernd optimistisch selbstoptimierend immer mehr anhäufen. All inclusive leben. All inclusive. Alles. Und dann noch ein bisschen mehr. Mein Lächeln? Entgleist. Eingefroren. Zum positiven DauerGrinsen verzerrt. Seit Dale Carnegie heißt es: Positiv denken! Sei deines Glückes Schmied. Deiner Glückin Schmiedin. Selbstoptimieren. Funktionieren. Perfektionieren. Motivieren. Reflektieren. Weiterbilden. Rationalisieren. Effektivieren. Effektionieren. Beschleunigen. Wachsen. Schneller. Höher. Weiter. Besser. Viel. Mehr. Am meisten. Schnell. Schneller. Immer weiter, immer schneller. Am schnellsten. Stillgestanden. Das braucht es jetzt. Es braucht einen Knast. All inclusive. Für mich. Groß und schön. Viel und mehr. Nicht am meisten. Das nicht. Aber mehr als ich brauche. Und viel mehr als andere haben. Weil ich Glück hatte. Glück beim Schicksalsrad. Zeitlich, kulturell, sozial, bezogen auf Hautfarbe und Religion, Herkunft und Mileu. Gut, beim Geschlecht vielleicht nicht. Auch wenn ich keins der anderen möchte. Nicht für immer jedenfalls. Ein bisschen probieren schon. Glück aber auf jeden Fall in der gesundheitlichen Konstellation. Großes. Auch wenn meine Familie Pech hatte. Blödes großes Scheißpech. Tödliches. Vererbtes. Trotzdem. Bei Bodyness bin ich gut aufgestellt. Gut weggekommen. Materiell auch offensichtlich irgendwie: BoseBox auf dem Tisch. Die kleine zwar, aber immerhin. Viel, mehr, noch lange nicht am meisten. Dyson heißt der Staubsauger. Heißen beide Staubsauger. Einer in GROSS und und einer in SPASS. Einer mit Leine und einer in KLEIN, LEICHT und WIEDERAUFLADBAR. Für die obere Etage. Ja, auch davon habe ich mehrere. Scheint mir luxuriös, irgendwie. Obwohl ich noch lange nicht AM MEISTEN habe. Durchaus Durststrecken hinter mir liegen. Alleinerziehende, kranke, unsichere, mit Existenzangst und Panikattacken durchzogene. Bodyness dann doch irgendwie chronisch erkrankt. Trotzdem: Jetzt sind es zwei Staubsauger. Mit gutem Namen. Und eine BoseBox auf dem Tisch. Der Tisch, den ich irgendwann aus einem Abrisshaus nach Haue getragen habe. Und jetzt die BoseBox drauf. Die kleine zwar. Aber immerhin. Wann ist das passiert? Wann hat es sich verschoben? Von KLO AUF HALBER TREPPE und der Freiheit nichts besitzen zu wollen? Zu alldem hier? Zu DYSON und BOSE? Und der Angst vor der Zukunft? Dem ALLES IST ZÄHL- UND MESSBAR? Der AUSWEGSLOSIGKEIT? Ein Paradigmenwechsel. Keine kleine Verschiebung. Ein Beben, ein GewitterUnwetter mit ERDBEBEN. Ein stetiges RIESELN und WEGBRECHEN. Obwohl hinzugekommen ist, worauf ich keinesfalls verzichten möchte: Reisen. Freiheit, keine Grenzen. Und irgendwann - erst schleichend dann immer deutlicher: Bausparverträge, Rechtsschutzversicherung, Golf Variant, Kasko, B & 0-Anlage, Beamer an der Decke für anspruchsvolle Unterhaltung. Viel, mehr, immer mehr. Wenn auch keinesfalls am meisten. Es droht mich zu ersticken. Das IMMERMEHR erschlägt mich. Allinclusive. Alles da. Und immer mehr davon. Alles da. Doch etwas fehlt. Irgendwie fehlt da doch was. Obwohl alles da ist. Wirklich all inclusiv. Alles und noch mehr. Was ist es nur? Das da fehlt? Ich weiß es nicht. Weißnichts mehr. Auch nichts mit mir anzufangen. Hier bin ich nun. Und kann nicht anders. „Here we are now, here am I!" Ich setze mich vor meine Leinwand. Sortiere die Fernbedienungen in einen Kreis. Ich in der Mitte. Der Mittelpunkt der Welt. Meiner kleinen Welt. Meines AllinclusiveKnasts. Fernbedienungen bilden einen Kreis rechteckiger Geräte. Ich lasse meine Arme um mich schwingen, auf und nieder, die Finger klicken beim Landen auf den Tasten rum. Ich bin es, die hier der Nabel der Welt ist. Die entscheidet. Die Chefin ist. Mittendrin. In meinem AllinclusiveKnast fehlt es mir an nichts. Mir fehlt es an nichts. Doch was fehlt bin ich. Ich bin irgendwie und irgendwo verloren gegangen. Irgendwann zwischen KLO AUF HALBER TREPPE und den Fernbedienungen im Halbkreis. Ich bin es, das fehlt, die fehlt. Und doch sitze ich vor meiner Leinwand. Klicke die verschiedenen Fernbedienungen. Lasse mich fallen. In meinem AllinclusiveKnast fehlt es mir an nichts... Mir fehlt nichts. Nur ich fehle. Und die anderen. Ohne ICH kein WIR. Ohne WIR kein ICH. Ich klicke nochmal. Und da geht das Licht an. Alles geht an: Der Beamer, die Lautsprecher, die DolbySourroundAnlage. „Here we are now, entertain us!" dröhnt es mir entgegen. Ich? Us? Uns? Wer ist das? Was ist das? Whatever Nevermind

(2020)

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